Führerschein-Reform: Begleitetes Fahren mit Eltern und Online-Theorie zur Kostensenkung
Die Bundesregierung plant umfassende Änderungen bei der Führerscheinausbildung. Fahrstunden mit Eltern, Online-Theorie und weniger Sonderfahrten sollen die durchschnittlichen Kosten von 3.400 Euro reduzieren.

Neue Wege in der Fahrausbildung
Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der die Führerscheinausbildung grundlegend verändern soll. Im Mittelpunkt steht das Ziel, die durchschnittlichen Kosten von derzeit 3.400 Euro zu senken und gleichzeitig die Ausbildung flexibler zu gestalten. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder betont, dass trotz der geplanten Änderungen die Sicherheitsstandards auf höchstem Niveau bleiben sollen. Besonders in ländlichen Regionen mit eingeschränktem öffentlichem Nahverkehr sei der Führerschein ein wichtiger Schlüssel zur Mobilität.
Die Reform umfasst mehrere zentrale Bausteine: Neben der Möglichkeit, mit privaten Begleitpersonen zu üben, sollen auch die Theorie-Ausbildung digitalisiert und verschiedene Anforderungen reduziert werden. Diese Maßnahmen zielen darauf ab, den Führerscheinerwerb zugänglicher zu machen, ohne dabei Abstriche bei der Verkehrssicherheit zu machen.
Begleitetes Fahren mit Eltern oder Großeltern
Eine der bedeutendsten Neuerungen betrifft die praktische Ausbildung. Künftig sollen Fahrschüler auch mit einer nahestehenden Person wie einem Eltern- oder Großelternteil üben dürfen. Dieses Modell ist in Österreich bereits etabliert und funktioniert dort mit einer speziellen Kennzeichnung der Fahrzeuge durch eine blaue Tafel mit dem Buchstaben "L".
Allerdings ist diese Option an klare Voraussetzungen geknüpft:
- Die theoretische Prüfung muss bereits bestanden sein
- Mindestens sechs praktische Fahrstunden bei einer Fahrschule müssen absolviert worden sein
- Die Begleitperson muss seit mindestens sieben Jahren im Besitz eines Führerscheins sein
- Das verwendete Fahrzeug muss entsprechend gekennzeichnet werden
Diese Regelung soll zunächst nicht flächendeckend eingeführt werden. Stattdessen erhalten die Bundesländer die Möglichkeit, das Modell fünf Jahre lang zu erproben, bevor eine endgültige Entscheidung über die dauerhafte Einführung getroffen wird.
Digitalisierung und Vereinfachung der Theorie
Ein weiterer wesentlicher Aspekt der Reform betrifft die theoretische Ausbildung. Die bisherige Präsenzpflicht im Theorieunterricht soll vollständig entfallen. Fahrschüler können sich das erforderliche Wissen künftig ausschließlich über digitale Kanäle wie Apps oder Lernplattformen aneignen. Fahrschulen müssen dadurch keine eigenen Schulungsräume mehr vorhalten, was Kostenersparnisse ermöglicht, die an die Fahrschüler weitergegeben werden können.
Auch die Prüfungsanforderungen werden angepasst: Der Fragenkatalog soll von derzeit 1.169 Fragen um knapp ein Drittel auf rund 840 Fragen reduziert werden. Zudem werden detaillierte Vorschriften für Lehr- und Lernmittel abgeschafft, was den Fahrschulen mehr Flexibilität gibt.
Reduzierung der praktischen Anforderungen
Bei den praktischen Fahrstunden sind ebenfalls deutliche Änderungen vorgesehen. Die verpflichtenden Sonderfahrten sollen drastisch von bisher zwölf auf nur noch drei reduziert werden – je eine Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrt. Wer zusätzlich einen Schaltwagen fahren möchte, muss künftig nur noch sieben statt bisher zehn Fahrstunden in einem Auto mit Gangschaltung absolvieren.
Auch die praktische Prüfung selbst wird kürzer: Statt derzeit 55 Minuten mit 30 Minuten Fahrzeit soll sie künftig 40 Minuten dauern, davon 25 Minuten reine Fahrzeit. Die Anforderungen an die Qualifikation der Prüfer sollen ebenfalls vereinfacht werden.
Mehr Transparenz und kritische Stimmen
Zur Verbesserung der Markttransparenz sind neue Regelungen geplant. Fahrschulen sollen ihre Preise künftig an eine zentrale Datenbank melden, sodass Vergleichsportale diese abrufen und aufbereiten können. Ähnliches gilt für die Bestehensquoten der praktischen Prüfungen, die von den Technischen Prüfstellen gemeldet werden sollen.
Die Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände reagiert kritisch auf die Reform und fordert Nachbesserungen. Ihr Vizechef weist darauf hin, dass rund 70 Prozent der Fahrschüler die Ausbildung zeitnah und auf Anhieb bestehen und dabei Kosten unter 3.000 Euro haben. Die geplante Laienausbildung werde ihr Ziel verfehlen, da gerade diejenigen, die sich schwertun oder deren Eltern kein Auto besitzen, nicht davon profitieren würden. Auch der TÜV-Verband warnt vor einer Absenkung der Anforderungen und befürchtet negative Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit.
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